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Waldapotheke: das Propolis der Bäume – Pappelknospensalbe

10. März 2019
Pappelknospen Salbe

Heute streifen wir mal durch die Wälder, Parks oder Alleen. Denn dort sind die schönen Pappeln zu finden – ihr habt sie bestimmt schon oft gesehen und bewundert! Bald werden sie wieder in das gründe Kleid ihrer Blätter gehüllt sein. Jetzt sind sie erst in Form der Knospen zu finden. Vor zwei Jahren habe ich euch schon mal einiges über die Kraft und Wirkung der Knospen erzählt. Heute habe ich ein weiteres Rezept für euch – ich zeige euch wie man selber eine Pappelknospensalbe herstellt. Sie wird bereits seit Jahrhunderten gemacht und dieses Wissen sollte nicht verloren gehen!

Pappelknospen Salbe

Pappelknospen Salbe

 

Die Pappel

Sie gehört zur Familie der Weidengewächse und liebt feuchte Standorte, wie Flussufer und Bachläufe. Die Pappel ist bekannt für ihr schnelles Wachstum und wird gerne in Parkanlagen, Alleen oder Straßenrändern gepflanzt. Sehr bekannt sind die Schwarzpappel (Populus nigra), Zitterpappel (Populus tremula) oder auch die Silberpappel (Populus alba).

Bei uns gab es durch die starken Schneefälle viele Schäden in den Wäldern, die jetzt langsam sichtbar werden. Auch eine Zitterpappel, die ich gerne bei meinen Spaziergängen durch den Wald besucht habe, hat es leider getroffen. Ein großer Teil ist abgebrochen und zu Boden gestürzt! Wenn man sooft im Wald unterwegs ist, wie ich, schließt man die Bäume richtig ins Herz und es tut richtig weh, die beständigen Riesen, plötzlich so verletzt zu sehen.

umgestürzte Pappel

umgestürzte Zitterpappel

 

Die umgestürzten Äste waren aber auch gleichzeitig ein Geschenk an mich. Denn es waren bereits die Knospen gebildet und ich habe mir davon einige mitgenommen. Beim Ernten der Knospen ist es besonders wichtig, dass man sorgsam umgeht und nur wenige davon erntet. Ich halte oft Ausschau nach abgebrochenen Ästen, an denen ich ernten kann. Ansonsten nur ganz wenige pro Baum ernten, da sie das neue Leben der Bäume beinhalten! Hier müssen wir die Schätze der Natur wirklich achten und besonders sorgsam damit umgehen!

Pappelknospen

Pappelknospen

 

Pappeln in der Medizingeschichte

Schon seit Jahrhunderten werden die Pappeln für Heilzwecke genutzt. Es wurden Rinde, Blätter und Knospen verwendet. Bereits Hildegard von Bingen (1098-1148) bereitete eine Salbe mit Pappelrinde zu, die bei Hauterkrankungen verwendet wurde. Im „New Kreuterbuch“ von Matthiolus (1500-1577) werden bereits die harzigen Pappelknospen erwähnt, die zu Salben verarbeitet wurden und bei Entzündungen und Verbrennungen der Haut verwendet werden. Bis heute werden die Knospen der Schwarzpappel für medizinische Zwecke verwendet, ihre Heilkraft wurde auch von der Kommission E bestätigt.

Folgende Baumknospen werden in der Volksheilkunde gerne verwendet:

  • Schwarzpappel
  • Zitterpappel
  • Lungauer Balsampappel
Pappel Blätter

Pappel Blätter; Bildquelle: pixabay

 

Warum und wie Pappelknospen sammeln?

Das besondere an der Pappelknospen ist, dass sie von einer duftenden Harzschicht umgeben sind. Sie werden auch das Propolis des Waldes genannt, welches desinfizierend und entzündungshemmend wirkt. Auch Bienen holen sich gerne das klebrige Harz für die Bienenstöcke!

Gesammelt werden kann von Februar bis April, solange die Knospen noch nicht komplett aufgegangen sind. Es ist aber auch gar nicht so einfach an die Knospen zu gelangen, da bei den großen Bäumen, die Äste zu weit oben sind. Man kann aber auch warten, bis sich die Blätter öffnen und die harzigen Knospenschuppen zu Boden fallen. Hierzu muss man die Bäume einfach ein bisschen beobachten.

Es ist faszinierend wie herrlich die Knospen duften – fast balsamisch würde ich sagen, aber schwer zu beschreiben!

Heilsames aus dem Wald: Baumknospen

Heilsames aus dem Wald: Baumknospen

 

Inhaltsstoffe und Wirkung der Pappelknospen

Pappelknospen beinhalten unter anderem folgende Inhaltsstoffe:

  • Phenolglyokoside (zB Salicin, Populin)
  • Ätherische Öle
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe

Folgende Wirkungen wurden bei den Knospen bereits nachgewiesen:

  • antibakteriell
  • wundheilungsfördernd
  • schmerzstillend
  • entzündungshemmend
Wirkung Pappelknospen

Wirkung Pappelknospen

 

Zubereitungen aus den Pappelknospen werden heutzutage angewendet bei:

  • Hautverletzungen (oberflächlichen)
  • Hämorrhoiden
  • Sonnenbrand
  • Frostbeulen
Anwendungsgebiete der Pappelknospen

Anwendungsgebiete der Pappelknospen

 

Pappelknospensalbe selber machen

Wie ich schon oben geschrieben habe, werden Pappelknospen schon seit vielen Jahrhunderten verwendet. Eine Rezeptur der sogenannten Populi unguentum gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert und war eine Wundsalbe mit Pappelknospen und Schweinefett, die bereits damals bei Hautverletzungen, Hämorrhoiden, Brandwunden und juckender Haut verwendet worden ist.

Die Pappelknospensalbe wird auch gerne in der Tiermedizin verwendet – die grüne Salbe wird sie genannt. Die entzündungshemmenden Eigenschaften werden beispielsweise als Eutersalbe gerne verwendet!

Pappelöl ansetzen

Pappelknospenöl ansetzen

 

Pappelöl ansetzen

Für das Pappelöl benötigt ihr in etwa

  • 2-3 EL harzige Pappelknospen
  • 50 g Oliven- oder Sonnenblumenöl
  • Alkohol zum Desinfizieren

Zubereitung:

  • Alle Arbeitsgeräte, Gläser und Tiegel desinfizieren.
  • Zunächst werden die Pappelknospen so gut es geht mit einem Messer zerkleinert.
  • Gebt sie in ein feuerfestes Glas und übergießt sie mit dem Öl.
  • Im Wasserbad für etwa 2-3 Stunden  bei mittlerer Temperatur ausziehen lassen.
  • Vom Ofen nehmen und über Nacht stehen lassen.
  • Am nächsten Tag nochmal erwärmen und nochmals für etwa 1 Stunde lang ausziehen.
  • Anschließend abseihen.

Pappelknospensalbe herstellen

Für die Salbe benötigt ihr

  • 50g Pappelknospenöl
  • 5g Bienenwachs
  • Alkohol zum Desinfizieren

Zubereitung:

  • Wieder alle Arbeitsgeräte, Gläser und Tiegel desinfizieren.
  • Für die Salbe gebt ihr das Öl und das Bienenwachs wieder in ein feuerfestes Glas und erwärmt beides im Wasserbad.
  • Sobald das Bienenwachs geschmolzen ist, vom Herd nehmen und am besten mit einem Spatel oder Löffel noch kaltrühren, damit die Salbe möglichst cremig wird.
  • Anschließend in den Tiegel abfüllen und erst verschließen, bis die Salbe vollständig abgekühlt ist.
Pappelknospen-Salbe

Pappelknospensalbe

 

Die Pappelknospensalbe kann bei Hautentzündungen, Hämorrhoiden, Sonnenbrand, leichten Verbrennungen, Gelenksschmerzen und Zerrungen verwendet werden.

 

Das ist heute wieder ein umfangreicher Beitrag geworden, aber es gibt einfach so viel über die Pappel zu erzählen. Ich habe auch noch ein Pappel-Gemmomazerat hergestellt, das ich euch nächstes Mal zeigen werde. Beschäftigt ihr euch auch über die Heilwirkungen unserer Bäume? Ich finde es ja unglaublich spannend, schon alleine die Wirkung des Harzes ist einmalig, aber auch die Kraft der Knospen ist faszinierend! Ich wünsche euch viel Freude beim Suchen und Sammeln der Knospen – aber bitte mit Vorsicht, Achtsamkeit und Bedacht ernten!

 

 

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Disclaimer! Die von mir zur Verfügung gestellten Informationen werden mit aller Sorgfalt zusammen getragen. Die Hausmittel und Rezepturen ersetzen aber keinen Besuch beim Arzt. Bei unklaren oder heftigen Gesundheitsbeschwerden gehe bitte unmittelbar zum Arzt. Bei Schwangeren und Kindern immer vorher eine Anwendung oder Einnahme mit dem Arzt abklären. Wenn du meine Rezepte und Anleitungen nachmachst, dann machst du das auf eigene Gefahr!

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