Kräuter

Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier, Aussaat-Tipps und DIY

5. März 2017
Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier selber machen

Ich sags euch gleich – wir haben heute viel vor! Jetzt wo der Frühling greifbar wird, juckt es jeden Gartenliebhaber in den Fingern und will loslegen. Daher zeige ich euch heute wie man aus altem Zeitungspapier ganz tolle Anzuchttöpfchen machen kann. Was man alles beim Aussäen beachten muss, denn die Samen haben oft unterschiedliche Bedürfnisse. Und damit es auch noch hübsch aussieht basteln wir noch Kräuterschilder aus Holzstäbchen.

Alles für den Pflanzenliebhaber – von Anzuchttöpfchen über Anpflanztipps bis hin zu selbstgemachten Kräuterschildern!

Anzuchttöpfchen selber machen

Anzuchttöpfchen & Kräuterschilder selber machen

 

Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier selber machen

Was brauchen wir für die Anzuchttöpfchen?

Für die Anzuchttöpfchen brauchen wir nicht viel – die Liste ist überschaubar und wir können altes Papier wiederverwenden:

  • altes Zeitungspapier
  • Flasche zum Formen der Töpfchen
  • Anzuchterde zum Befüllen
  • Samen

Anleitung Upcycling Anzuchttöpfchen

Für ein Anzuchttöpfchen braucht ihr ein Blatt Zeitungspapier. Dieses faltet ihr der Länge nach zusammen und entlang der offenen Seite faltet ihr es ca. 1-2 cm nach unten. Das ist nicht unbedingt notwendig, aber ihr habt dann einen schöne Kante. Anschließend legt ihr die Flasche an ein Ende des Zeitungspapiers und lasst ein Stück über dem Flaschenboden überstehen. Wieviel ihr überstehen lässt, hängt von der Größe der Flasche ab. Wenn man später die Zeitung umbiegt, sollte der Boden der Flasche bis über die Hälfte bedeckt sein. Das seht ihr weiter unten in den Bildern genauer.

Nun aber rollt ihr das Zeitungspapier um die Flasche herum. Danach kann das überstehende Papier Schritt für Schritt zur Mitte gefaltet werden, bis das alle Ecken am Flaschenboden aufliegen.

Zum Schluss dreht die Flasche um und drückt sie fest auf den Tisch und dreht sie ein paar Mal hin und her. Das Zeitungspapier soll gut festgedrückt wird, damit es stabil wird.

Upcycling Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier

Upcycling Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier

 

Das Anzuchttöpfchen ist nach diesen wenigen Schritten schon fertig und ihr könnt die Flasche vorsichtig rausziehen. Man glaubt es kaum, aber das Töpfchen ist sehr stabil. Wenn es dann noch mit der Anzuchterde befüllt ist, hält es sehr gut und man kann aus altem Zeitungspapier wieder etwas sinnvolles gestalten. Und das tolle ist, man kann später die Pflänzchen mit dem Töpfchen ins Freie setzen und das Zeitungspapier wird in der Erde verrotten.

fertiges Anzuchttöpfchen

fertiges Anzuchttöpfchen

 

Richtig Aussäen

Habt ihr euch auch schon manchmal gewundert, dass manche Samen nicht aufgegangen sind, obwohl ihr sie umhegt und umpflegt habt? Samen unterscheiden sich oft sehr stark, sie sind verschieden groß und brauchen auch ganz unterschiedliche Bedingungen zum Keimen. Entscheidend für das Aufgehen von Samen sind ein gute Erde, ausreichende Bewässerung, die richtige Bodentemperatur und auch ob der Samen Licht oder Dunkelheit braucht. Daher habt ihr vielleicht schon etwas von Licht- oder Dunkelkeimern gehört. Es gibt auch lichtneutrale Samen, bei denen die Lichtverhältnisse nicht so entscheidend sind.

Einteilung über die Lichtverhältnisse

Lichtkeimer

Wie der Name schon sagt, braucht der Lichtkeimer Sonnenlicht um keimen zu können. Es sind meistens kleine, feine Samen, die nicht viel Nährgewebe besitzen, wie zB die Kamille. In der Natur können sie ganz einfach vom Wind weggetragen werden und verbreiten sich leichter. Durch das geringe Nährgewebe hat er aber nicht viel an Energie, um austreiben zu können, daher darf man Lichtkeimer nicht mit Erde bedecken, da sie zu schwach wären, um sich durch die Erde durchkämpfen zu können.

Beispiele für Lichtkeimer sind: Karotten, Basilikum, Mädesüß, Ringelblume, Mutterkraut, Salbei oder zB Thymian

Mutterkraut - ein Lichtkeimer

Mutterkraut – ein Lichtkeimer

 

Dunkelkeimer

Ganz anders sind Dunkelkeimer beschaffen, sie haben meistens viel größere Samen. In diesen hat die Pflanze genug Energie, um sich durch die Erde durcharbeiten zu können. Diese Samen brauchen auch die Dunkelheit, damit sie überhaupt keimen können. Alle Samen beinhalten Proteine, die auf Sonnenlicht reagieren. Die Dunkelkeimer brauchen die langwelligen, dunkelroten Lichtwellen, die durch die obere Erdschicht durchdringt. Wenn man die Samen nicht mit Erde bedecken würde, dann könnte das viele Licht die Dunkelkeimer im Wachstum hemmen.

Beispiele für Dunkelkeimer sind: Schnittlauch, Koriander, Kapuzinerkresse, Borretsch, Malve, Stockrose oder der Kürbis

Koriander - ein Dunkelkeimer

Koriander – ein Dunkelkeimer

 

Lichtneutrale Samen

Als dritte Art gibt es noch lichtneutrale Samen. Sie sind nicht so empfindlich und benötigen nur eine ganz dünne Schicht Erde, damit die Keimlinge vor Austrocknung oder Verwehung geschützt sind. Viele Sommerblumen gehören zu den lichtneutralen Samen.

 

Einteilung über die Temperatur

Frost- oder Kaltkeimer

Ein Frostkeimer muss eine Kälte- oder eine Frostperiode durchleben, damit er keimen kann. Die Samen brauchen tiefe Temperaturen von etwa 0 bis 5 Grad, damit sie keimen können. Daher säht man die Frostkeimer schon im Herbst aus.

Es gibt aber einen Trick, um auch im Frühjahr Kaltkeimer noch aussähen zu können. Zunächst werden die Samen für 1 Tag lang gewässert, danach mischt man das Saatgut mit Sand und stellt sie für etwa 4 Wochen in den Kühlschrank. Die Temperatur sollte aber nicht über 5 Grad liegen. In der Zeit kontrolliert bitte immer wieder, ob die Samen zu keimen beginnen. Wenn sie zu keimen starten, können sie ins Freie gesetzt werden.

Beispiele für Kaltkeimer sind: Bärlauch, Schlüsselblume, Waldmeister oder zB Roggen

Wärmekeimer

Bei den Wärmekeimern muss es mehr als 5 Grad haben, damit die Keimung beginnen kann. Dabei gibt es frostresistente Pflanzen, die schon im Februar auf den aufgetauten Boden gesäht werden können. Aber auch frostempfindliche Samen, die erst im Mai nach den Eisheiligen ausgesäht werden sollen.

Beispiele für Wärmekeimer sind: Gurke, Basilikum oder zB Tomate

 

Download Sammelkarte für Aussaat Tipps

Damit ihr die Information schön übersichtlich habt, könnt ihr hier das Sammelblatt mit den Tipps zum Aussäen downloaden: Aussaat Tipps zum Download

Es werden weitere Sammelblätter in Zukunft folgen – dann könnt ihr euch eine Mappe mit allen wichtigen Informationen zusammenstellen 🙂

Praxis – Aussaat

In die vorbereiteten Anzuchttöpfchen geben wir Anzuchterde und drücken sie gut fest. Am besten eignet sich eben Anzuchterde, da sie sterilisiert worden ist. Ansonsten könnten Bakterien, Pilze, etc das Wachstum unseres Samens beeinträchtigen. Achtet bitte beim Kauf von Blumenerde, dass sie torffrei ist. Bei uns ist der Abbau von Torf bereits verboten, aber in anderen Ländern wird nach wie vor abgebaut. Torf ist ein ganz wunderbarer Stoff, nur leider werden beim Abbau viele Moore zerstört, daher sollte man das nicht fördern.

Tipp: wenn ihr keine Anzuchterde habt, könnt ihr sie euch einfach selber machen. Dazu nehmt ihr Erde und gebt sie bei 200° für 30 Minuten in den Backofen. Danach noch mit Quarzsand mischen und fertig ist eure Anzuchterde.

Anzuchttöpfchen mit Erde befüllen

Anzuchttöpfchen mit Erde befüllen

 

Damit der Samen eine schöne, luftige Basis zum Wurzeln hat, wird über der angedrückten Erde ein schöner Polster mit gesiebter, feiner Erde hinzugefügt.

Erde sieben

Erde sieben

 

Ja, ich war fleißig und habe mir viele kleine Pflanztöpfchen vorbereitet.

Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier mit Erde befüllt

Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier mit Erde befüllt

 

Und die werden jetzt gut gegossen – noch bevor wir den Samen reingeben. Denn wenn wir jetzt zB einen Lichtkeimer hätten und wir würden mit Wasser drüber gehen, dann könnten die Samen wieder mit Erde bedeckt werden.

Erde gut wässern

Erde gut wässern

 

So und jetzt werden die Samen je nachdem ob sie Licht- oder Dunkelkeimer sind in die Pflanztöpfchen gegeben. Ganz wichtig – beschriftet immer, um welche Pflanzen es sich handelt. Denn später weiß man oft nicht mehr, was man da gepflanzt hat 🙂

Download Sammelkarte für Aussaat Praxis

Ein Goodie gibt es noch – auch die Aussaat Praxis gibt es schön kompakt als Sammelkarte zum Download: Aussaat Praxis zum Download

Und wie ihr Kräuter- oder Pflanzenschilder ganz einfach selber machen könnt, zeige ich euch jetzt:

 

Kräuterschilder selber machen – DIY für den Garten

Für ein kleines, mit Liebe gemachtes Garten DIY muss noch Zeit sein. Ich finde es halt immer schön, wenn man Nützliches mit Schönem kombiniert. Und die Kräuterschilder sind schnell gemacht und passen gut zu unseren selbstgemachten Anzuchttöpfchen.

Was brauchen wir für die Kräuterschilder?

  • Holzspatel
  • Farbe und Pinsel
  • Stift zum Beschriften
  • falls vorhanden, getrocknete Blumen oder Blätter
  • Überzugsharz
Holzstäben für Kräuterschilder

Holzstäbchen für Kräuterschilder

 

Kräuterschilder aus Holzsstäbchen selber machen

Als ersten Schritt bemalt ihr das Holzstäbchen mit der Farbe. Ihr müsst nicht das gesamte Stäbchen bemalen, sondern nur den Teil, den ihr Beschriften wollt. Danach lasst ihr die Farbe gut trocknen.

Holzsstäbchen bemalen

Holzsstäbchen bemalen

 

Im Anschluss könnt ihr das Holzstäbchen beschriften und wenn ihr wollt, könnt ihr getrocknete Blumen aufkleben. Schön wäre es, wenn ihr Teile der Pflanze, die ihr aussät, neben die Beschriftung kleben würdet. Ich hatte nur andere getrocknete Blumen und Blätter.

Danach könnt ihr das Überzugsharz ganz dünn über die Beschriftung und die Blüten geben. So wird das Stäbchen geschützt und die Beschriftung wird gut leserlich bleiben. Wie man mit dem Harz umgeht, habe ich bereits in dem Beitrag zum Smartphone-Hüllen gestalten beschrieben.

Holzstäben mit Überzugsharz

Holzstäben mit Überzugsharz

 

Danach muss das Überzugsharz 12 Stunden trocknen – wenn es gut eingezogen ist, könnt ihr die Kräuterschilder verwenden. Durch das Überzugsharz hält die Schrift sehr gut und ihr könnt die Schilder auch verwenden, wenn ihr die Pflänzchen ins Freiland setzt.

Kräuterschilder aus Holzstäbchen

Kräuterschilder aus Holzstäbchen

 

So jetzt seit ihr hoffentlich mit den vielen Informationen gut gerüstet. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die Samen langsam zu wachsen beginnen. Außerdem ist es gar nicht schwierig und ihr habt mit Liebe gemachte und recycelte Anzuchttöpfchen, sehr hübsche Kräuterschilder und mit den Aussaat-Tipps bald keimende und sprießende Pflänzchen. Viel Freude beim Garteln,

Unterschrift

 

Der Beitrag ist auch zu sehen auf Create in Austria.

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4 Comments

  • Reply Tanja von mx | living 5. März 2017 at 16:22

    Hallo liebe Doris,
    mir juckt es auch in den Fingern, der Frühling will schließlich gut genutzt werden! Deine Idee mit den Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier ist grandios, das merk ich mir! Leider wird es erst nächstes Jahr etwas, aktuell sind wir im Garten eher noch mit den grundsätzlicheren Dingen beschäftigt wie Beete anlegen, Kies verteilen und die Bewässerung installieren…
    Einen wundervollen Sonntag wünsche ich Dir und vielen lieben Dank für die Inspiration!!
    Viele Grüße, Tanja

    • Reply Doris Kern 5. März 2017 at 19:24

      Liebe Tanja,
      ich glaube uns geht es allen gleich – die Freude auf den Frühling ist einfach so groß 🙂
      Das freut mich, dass dir die Töpfchen gut gefallen! Uij, ja das hört sich nach einer Menge Arbeit an, aber wenn das gemacht ist, kannst du den Garten gleich noch viel mehr genießen! Alles Gute für dich und dass dein Garten wunderschön wird!
      Dir auch noch einen wunderschönen Sonntag & alles Liebe,
      Doris

  • Reply Conny 7. März 2017 at 18:11

    Hallo Doris! Eins vorweg: ich habe erst kürzlich deinen Blog entdeckt und mag ihn sehr gern! Ich liebe Selbstgemachtes, daher wirst du in mir eine treue Leserin haben 🙂

    Oben schreibst du, das Roggen ein Kältekeimer ist. Bist du da sicher? Ich habe keinen Garten, aber Keimlinge ziehe ich mir im Winter öfter mal, weil sie so gesund sind. Roggenkörner (und andere Getreide auch) keimen bei mir immer im normalen Keimglas und das hab ich immer einfach in der Küche stehen. Das hat bisher immer einwandfrei funktioniert.

    LG Conny

    • Reply Doris Kern 7. März 2017 at 19:35

      Liebe Conny,
      danke für deine lieben Worte! Das freut mich total, dass dir meine Beiträge so gut gefallen! Ich hoffe ich treffe weiterhin deinen Geschmack und du schaust mit Freude bei mir vorbei 🙂
      Ja genau der Roggen gehört lt. Literatur zu den Kältekeimern – aber ich glaube da wird auf den Winterroggen, der bei uns sehr oft angebaut wird, verwiesen. Der Winterroggen ist ertragreicher und hat somit mehr Bedeutung als der Sommerroggen, der ab März angebaut wird. Vielleicht hast du bei deinen Keimlingen einen Sommerroggen. Das würde zumindest erklären, dass er in der Küche so gut gedeiht?
      Würde mich auch sehr interessieren, welche Sorte das genau ist!
      Alles Liebe zu dir und danke für deine interessante Frage,
      Doris

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