Kräuter

Der Zauber der Rauhnächte – ein Guide zum Räuchern zwischen den Jahren

18. Dezember 2016
Zauber der Rauhnächte

Kennt ihr das vielleicht auch aus eurer Familie, dass an den sogenannten Rauh- oder Rauchnächten geräuchert wird? Eine wunderschöne Tradition, die schon ein wenig in Vergessenheit geraten war, aber jetzt wieder mehr Bedeutung bekommt. Aber woher kommt diese Tradition und wann räuchert man nun genau? Der Zauber der Rauhnächte ist etwas ganz Besonderes und heute erzähle ich euch ein bisschen mehr darüber.

Rauhnächte, Räucherwerk, Räucherpfanne? Hört sich komplizierter an, als was es ist – also kommt mit und lasst euch verzaubern.

Zauber der Rauhnächte

Zauber der Rauhnächte

 

Was sind die Rauhnächte?

Die Rauhnächte sind etwas Besonderes im Jahreskreis und man vermutet, dass sie auf den germanischen Mondkalender zurückgehen. Denn ein Mondjahr umfasst 354 Tage, unser Sonnenjahr besteht aber aus 365/366 Tagen, so entsteht eine Differenz von 11 bzw. 12 Tagen. Diese Tage werden als die Nächte zwischen den Jahren genannt und einem Mythos zufolge sind an diesen Tagen die Kräfte der Natur außer Kraft gesetzt und die Tore zu einer anderen Welt stehen offen.

mystische Zeit zwischen den Jahren

mystische Zeit zwischen den Jahren

 

Früher gab es zu dieser Zeit viele Bräuche und Rituale, die das Böse und Schlechte vertreiben sollten und so bereit fürs neue Jahr zu sein. Je nach Region gibt es bis zu 12 Rauhnächte, die wichtigsten sind

  • 21./22. Dezember (die Wintersonnenwende, längste Nacht des Jahres, auch Thomasnacht genannt)
  • 24./25. Dezember (Heiliger Abend)
  • 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  • 5./6. Januar (Erscheinung des Herrn, Dreikönigstag)

In diesen vier Rauhnächten wird das Haus und der Hof geräuchert und soll so Schutz für die darin lebenden Menschen und Tiere bringen. Aber warum eigentlich Rauhnächte? Hier sind sich die Historiker nicht ganz einig, aber es scheint vom Wort Räuchern – in der Mundart „Rachn“ gekommen zu sein.

Räuchern zu den Rauhnächten

Räuchern zu den Rauhnächten

 

Wie räuchert man nun?

Das Gute ist – es gibt hier keine Regeln! Jeder kann sich mit seiner Familie ein eigenes Ritual erschaffen und so den Zauber der Rauhnächte für sich selbst gestalten. Gerade jetzt, wo die eigentlich besinnliche Zeit für die meisten Menschen eher stressig ist, ein bisschen Ruhe zu schaffen und die Zeit mit der Familie bewusst erleben zu können. Solche Traditionen und Rituale schaffen wieder eine bewusste Zusammengehörigkeit und sehnen wir uns nicht genau nach dem?

Räucherwerk

Das kann man schon das ganze Jahr über sammeln oder es gibt auch schöne Räuchermischungen zu kaufen. Wer von euch einen Kräuterbuschen gebunden hat, kann sich von diesem kleine Zweige und Blätter entnehmen.

Räucherkräuter

Räucherkräuter

 

Räucherkräuter sind zB folgende:

  • Wacholderholz: stehen für Schutz und Sicherheit und hat eine reinigende Wirkung.
  • Wacholderbeeren: leicht desinfizierende Wirkung, reinigt und gibt Mut.
  • Salbei: reinigt Räume, kräftigt und stärkt. Daher perfekt für eine Ausräucherung.
  • Schafgarbe: unterstützt das ankommen bei sich selbst und hilft Kraft im Alltag zu finden.
  • Rosmarin: stärkt den Willen, reinigt und ist erfrischend. Fördert die Kreativität und die Konzentration.
  • Rosenblüten: haben eine beruhigende und entspannende Wirkung. Die Rose ist eine sehr sinnliche Pflanze und fördert die Liebe.
  • Mädesüß: hilft bei einem Neuanfang und hilft Erlebnisse zu verarbeiten.
  • Lavendelblüten: haben eine ausgleichende Wirkung und helfen bei Nervosität. Außerdem klären die Blüten und reinigen.
  • Königskerzenblüten: sind Bestandteil des Kräuterbuschens und eignen sich auch sehr gut für eine Hausreinigung, da sie Spannungen abbauen können.
  • Johanniskraut: das Sonnenkraut schlecht hin, wirkt beruhigend und stressabbauend.
  • Beifuss: energetische Reinigung.
  • Weihrauch: ist ein wirksames Antistressmittel und ein atmosphärischer Reiniger.
  • Styrax: stärkt das Selbstvertrauen und löst seelische Verspannungen.
Räucherkiste mit Kräutern, Blüten und Weihrauch

Räucherkiste mit Kräutern, Blüten und Weihrauch

 

Das war nur ein kleiner Auszug von möglichen Kräutern und Harzen. Sucht euch jene Pflanzen, zu denen es euch automatisch hinzieht, die gut für euch riechen und euch guttun.

 

Räuchergefäß & Räucherkohle

Es gibt viele verschiedene Räuchergefäße – zB kann man eine Räucherpfanne nehmen, oder ein Räucherstövchen mit einem Räuchersieb. Oder man nimmt sich eine feuerfeste Schale und befüllt sie mit Sand und legt dort die Räucherkohle auf. Beim Räuchersieb nur aufpassen und keine Harze direkt auflegen, da es sonst das Sieb verklebt. Mit einem kleinen Trick, kann man aber auch auf einem Räuchersieb Weihrauch verwenden – legt einfach ein Stück Alufolie auf das Sieb und darauf den Weihrauch.

Duftlampe mit Räuchersieb

Duftlampe mit Räuchersieb

 

Fürs Räuchern brauchen wir auch noch eine Wärmequelle, um die Pflanzen auch räuchern zu können. Eine sanfte Methode geht über einer Kerze unter dem Räuchersieb. Eine andere Möglichkeit sind die Räucherkohlen, die ganz einfach angezündet werden können.

Räucherkohle die bereits weiß wird

Räucherkohle die bereits weiß wird

 

Nach einigen Minuten verfärbt sich die dunkle Kohle grau-weiß und jetzt ist sie bereit, dass man Harze auf sie auflegt, danach können die zarten Blätter aufgelegt werden. Wer selbst einen Holzofen hat, kann auch Kohle aus dem Ofen verwenden.

Räucherwerk auflegen

Räucherwerk auflegen

 

Danach kann mit der Räucherpfanne durchs Haus gegangen werden und man reinigt jeden Raum. Man kann mit einer Feder den Rauch schön verteilen und wenn der Rauch so schön fließt, hat das für mich etwas Anmutiges.

Anfächern mit einer Feder

Anfächern mit einer Feder

 

Räuchersticks

Im Sommer habe ich auch Räuchersticks gebunden – all jene, die mir auf Facebook folgen, werden sie schon kennen. Mittlerweile sind sie schön getrocknet und können ebenfalls verwendet werden.

gebundene Räuchersticks

gebundene Räuchersticks

 

Räuchern kann man aber zu jeder Jahreszeit, das muss nicht unbedingt zu den Rauhnächten sein. Auf einem Räucherstövchen ein paar Kräuter zu räuchern ist immer schön und je nachdem ob man mehr Konzentration, einen Seelentröster oder etwas Sinnliches haben möchte – die Natur hat uns für jede Lebenssituation die richtigen Pflanzen geschenkt!

der Zauber der Rauhnächte

der Zauber der Rauhnächte

 

Ich hoffe ich konnte euch die zauberhafte Welt des Räucherns ein wenig näherbringen und ihr greift auch zu Räucherstövchen oder –pfanne und erlebt die Kraft der Pflanzen auf eine neue Art und Weise.

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4 Comments

  • Reply Karen 18. Dezember 2016 at 11:13

    Liebe Doris,
    bei uns (Evangelischen) gab es das „Räuchern“ überhaupt nicht. Man kannte nur Weihrauch aus katholischen Kirche und in den Bergen hörte man öfters was von Rauhnächten oder auch Rauchnächten. Heuer bin ich zufälliger Weise auf das Räuchern gestoßen und habe dann einiges nachgelesen und bin ganz und gar fasziniert. Mittlerweile habe ich mich schon eingedeckt mit einer schönen feuerfesten Schale, mit Sand und Kohle und sämtlichen Räucherwerk! Die Rauhnächte können also kommen! Ich danke dir für deinen schönen Post und die zusätzlichen tollen Informationen! Ich habe sie mit Begeisterung gelesen!
    Ich wünsche dir alles Liebe und freue mich schon auf deinen nächsten Post!
    Karen

    • Reply Doris Kern 18. Dezember 2016 at 20:39

      Liebe Karen,
      ich finde das Räuchern auch absolut faszinierend – mein Räucherkästchen mit all dem Räucherwerk wächst und wächst 🙂 Es ist einfach schön und man kann Räuchern auch so unterschiedlich anwenden. Schön, dass es dir auch so gefällt!
      Für dich auch alles Liebe meine Karen und genieße noch die Adventszeit!
      Bis bald, Doris

  • Reply Walpurga Zellinger 27. Dezember 2016 at 12:34

    Liebe Doris, dein Räucherbeitrag ist wieder mal ganz fabelhaft gelungen, und die großartigen Fotos dazu, einfach genial. Wenn ich nicht ohnedies die Raunächte intensiv begehen würde, jetzt würde ich mich auf alle Fälle ans Räuchern machen, so inspirierend hast du es beschrieben! … und frag mal deinen Arbeitgeber, ob sie dir nicht eine Kolumne im schönsten Magazin Österreichs überlassen wollen, du würdest mit deinen Themen perfekt dorthin passen!
    Hab noch viele magische Raunächte! Walpurga

    • Reply Doris Kern 27. Dezember 2016 at 20:24

      Liebe Walpurga,
      oh vielen lieben Dank für deine lieben Worte – ich hab mich so über deine Nachricht gefreut!
      Du bringst mich auf Gedanken – das würde mir natürlich seehr gefallen und Spaß machen 😉
      Dir auch noch ganz wundervolle Rauhnächte & alles alles Liebe zu dir,
      Doris

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