Hausmittel, Natur

Knospen – die Kraft der Bäume und ihre Heilwirkung

2. April 2017
die Kraft der Knospen

Schon fast vergessen war das Wissen um die Kraft der Bäume und ihrer Knospen – in den letzten Jahren gewinnt es wieder mehr an Bedeutung. Man liest wieder häufiger über die Heilwirkung der Knospen oder über die sogenannte Gemmotherapie. Ein faszinierendes Wissensgebiet, mit dem ich mich gerade näher beschäftige. Es gibt noch so viel zu lernen, aber es macht Spaß immer wieder etwas neues zu entdecken und die unglaubliche Kraft der Natur zu spüren. Was sich hinter den Begriffen versteckt und was man daraus alles machen kann, zeige ich euch heute!

Der Frühling steht im Zeichen des Neubeginns und auch die Bäume stehen sprichwörtlich im Saft und ihre Knospen tragen all dies in sich!

 

die Kraft der Knospen

die Kraft der Knospen


 

Knospen & ihre Kraft

Knospen werden bereits viele Monate, bevor sie sich öffnen gebildet und können im Frühling, wenn sie ihre höchste Wachstumskraft in sich tragen geerntet werden. Die Knospen sind so unglaublich wertvoll, da sie alle lebenswichtigen Informationen der Pflanze beinhalten. Bäume verjüngen sich mit Hilfe ihrer Knospen von Jahr zu Jahr neu – also eine wahrer Jungbrunnen, der in früheren Kulturen sehr geschätzt wurde. Auch Tiere bedienen sich dieser Kraft – die Kraft der Bäume und des Neubeginns des Frühlings!

Warum wirken Knospen?

Bäume verjüngen und wachsen mit den Knospen, d.h. in ihnen befindet sich pflanzliches Embryonalgewebe – alle Informationen über den Baum sind darin gespeichert und die Wachstumskräfte sind darin am höchsten. So kann zB ein Olivenbaum, der hunderte Jahre alt werden kann, sich trotzdem jedes Jahr mit neuen Triebspitzen verjüngen und ist so ein Musterbeispiel für die ewige Jugend!

Bäume versenden Informationen über Phytohormone, das sogenannte Nervensystem des Baums, und steuern so viele Prozesse. Dazu zählt zB Auxin, ein Wachstumshormon, welches die Elastizität der Zellwände erhöht und dadurch sein Streckungswachstum fördert. Weiters schützt es den Baum vor Bakterien, Pilzen oder Viren. Gibberelline sind auch Wachstumshormone, die das Gesamtwachstum der Pflanzen beeinflusst und somit zB einen Zwergwuchs verhindern. Das sind nur zwei Beispiele, die das Wachstum der Knospen beeinflussen und als Wirkstoffe in ihnen zu finden sind.

Auch Chlorophyll, das immunstärked, zellschützend und zB antibiotisch wirkt ist im Embryonalgewebe enthalten. Weitere Beispiele sind Carotinoide, Saponine oder Polyphenone. All das sind aktive Pflanzenwirkstoffe, die ebenfalls zellschützend, wundheilend oder zB antioxidativ wirken.

die Vielfalt der Knospen und Pflanzenteile

die Vielfalt der Knospen und Pflanzenteile

 

Das pflanzliche Embryonalgewebe befindet sich aber nicht nur in den Knospen, sondern auch in anderen Teilen des Baumes. Hier ein paar Beispiele:

  • Kätzchen – zB von der Hasel oder Birke.
  • Blätter – junge Blätter von vielen Bäumen, wie zB Birke oder Linde. In einen Smoothie verarbeitet, integriert man sie ganz einfach in den Alltag!
  • Blüten – ihre Knospen, bevor sie vollständig aufgegangen sind – zB von Kirsche oder Apfel.
  • Triebspitzen – noch junge Triebspitzen von vielen Bäumen, zB von Fichten oder Tannen.
  • Baumwasser – wenn der Baum im vollen Saft steht, kann man Baumwasser, von zB der Birke, ernten – sehr entgiftend!
  • Samen – von vielen Bäumen, zB Ahorn.

Knospen wirken für uns Menschen in den Zellen – sie regenerieren, harmonisieren und aktivieren!

 

Die Gemmotherapie

Wenn man sich mit Knospen beschäftigt, findet man auch immer den Begriff Gemmotherapie. Er wird von dem lateinischen Wort „gemma“ abgeleitet, der so viel wie Knospe oder Auge bedeutet. Sie wurde von dem belgischen Arzt Dr. Henry Pol in den 50er Jahren begründet, also ist noch relativ jung. In Frankreich wurde das schon damals als Therapieform aufgenommen und ist dort schon etabliert. Bei uns im deutschsprachigen Raum ist die Gemmotherapie noch eher unbekannt.

In der Gemmotherapie werden Heilmittel aus frischen Pflanzenteilen, wie zB Knospen oder Triebspitzen/-sprossen hergestellt. Die Kraft der Knospen und anderer Pflanzenteile wird so eingefangen und kann das ganze Jahr über eingesetzt werden.

junge Himbeerblätter im Frühling

junge Himbeerblätter im Frühling


 

Wie unterscheidet sich die Gemmotherapie zur Pflanzenheilkunde?

Die Gemmotherapie ist ein Teil der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), sie fokussiert sich aber auf bestimmte Pflanzenteile. Die Knospen, die hauptsächlich zum Einsatz kommen, strotzen nur so von den wachstumsaktiven und erneuernden Stoffen und diese sollen auch die Reparatur- und Wachstumseigenschaften im Körper anregen. Die Heilmittel der Gemmotherapie sprechen also die Zellen, dort wo neues Leben entsteht, an und unterstützen sie mit ihren Stoffen aus dem pflanzlichen Embryonalgewebe.

Bei der traditionellen Pflanzenheilkunde betrachtet man eher die Wirkung der Inhaltsstoffe der Pflanze auf bestimmte Organe und nicht auf die Wirkung in den Zellen. Daher ist die Gemmotherapie eine spezielle Ausprägung der Phytotherapie.

 

Selber sammeln und anwenden – was ist zu beachten?

Beim Sammeln von Knospen ist folgendes zu beachten:

  • Wichtig ist, dass ihr nur jene Knospen und Pflanzenteile sammelt, die ihr auch kennt!
  • Die Knospen können noch geschlossen oder schon leicht geöffnet sein.
  • Wenn ihr zB im Frühling einen Baumschnitt macht, könnt ihr die vorhandenen Knospen von den abgesägten Ästen wunderbar verarbeiten! Ansonsten dürfen nur ganz wenige Knospen pro Ast gesammelt werden – maximal ein Drittel – aber eher weniger! Mir gefällt dieser Richtwert sehr gut:

Äpfel sammelt man in Kübeln, Kräuter im Korb und Knospen im Fingerhut!

  • Und man braucht auch nicht viel um ein Gemmomazerat herzustellen – die Knospen beinhalten geballte Kraft, daher wirklich behutsam mit der Natur umgehen!
  • Nur an trockenen Tagen und am besten zur Mittagszeit sammeln. Sehr gut eignen sich Tage um den Vollmond.
  • Wenn ihr sie gesammelt habt, bitte schnell weiterverarbeiten, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben!

Haselkätzchen

Haselkätzchen


 

Welche Knospen für was?

Ich habe ein paar Beispiele für euch gesammelt, wie man welche Knospen einsetzen kann:

  • Linden- und Rosenknospen: bei großer Stressbelastung, zur Regeneration
  • Weiden- & Birkenknospen: Entzündungshemmend
  • Rosskastanie: Stärkung der Venen
  • Weißdornknospen: Blutreinigend
  • Himbeerknospen: schmerzlindernd bei Frauenleiden
  • Johannisbeerknospen: Entzündungshemmend und ist kortisonähnlich!

 

Apfelknospen-Öl gegen Kopfschmerzen nach Hildegard von Bingen

In den letzten Jahren habe ich fast nur die Triebspitzen der Fichten- und Tannen verwendet und daraus einen Hustensirup oder ein schmackhaftes Wipfergelee gemacht. Dieses Jahr versuche ich mich an einem alten Rezept nach Hildegard von Bingen – ein Apfelknospen Öl gegen Kopfschmerzen!

Was brauchen wir dazu?

  • 100ml Olivenöl
  • 1-2 TL Apfelknospen
  • verschließbares Glas
  • Küchenrolle und Faden

Apfelknospen

Apfelknospen


 

Herstellung

Die Herstellung ist ganz einfach. Gebt die Apfelknospen in ein Glas und übergießt sie mit dem Olivenöl. In den ersten Tagen deckt das Glas mit der Küchenrolle ab, damit Feuchtigkeit noch entweichen kann. Danach verschließt ihr das Glas mit einem Deckel und lasst es für 1-2 Wochen an einem sonnigen, warmen Ort ausziehen. Anschließend kann es abgeseiht werden.

Apfelknospenmazerat

Apfelknospenmazerat


 
Das Apfelknospen-Öl lagert ihr am besten kühl und dunkel. Lt. Hildegard von Bingen reibt man sich bei Migräne damit die Stirn ein.

 

Es ist wirklich schade, dass vieles Wissen von früher komplett verloren gegangen ist! Es gibt aber schon einige tolle Bücher zu dem Thema und ich kann von Gabriela Nedoma – Knospen: und die lebendigen Kräfte der Bäume nur empfehlen! Also haltet die Augen offen, wenn ihr durch den Wald spaziert und denkt dran, welche Kraft die wunderbaren Bäume haben!

Unterschrift

 

Der Beitrag ist auch zu sehen auf Create in Austria und bei einfach.nachhaltig.besser.leben

Disclaimer!

Die von mir zur Verfügung gestellten Informationen werden mit aller Sorgfalt zusammen getragen. Die Hausmittel und Rezepturen ersetzen aber keinen Besuch beim Arzt. Bei unklaren oder heftigen Gesundheitsbeschwerden gehe bitte unmittelbar zum Arzt. Bei Schwangeren und Kindern immer vorher eine Anwendung oder Einnahme mit dem Arzt abklären. Wenn du meine Rezepte nachmachst, dann machst du das auf eigene Gefahr.

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2 Comments

  • Reply Walpurga Zellinger 3. April 2017 at 7:05

    Ein super interessantes Thema liebe Doris! Meine erste Kräuterwanderung im Jahr gilt auch immer der Kraft der Bäume! Als Kräutermensch hab ich ja den Blick immer auf die Erde mit ihren Kräuterschätzen gerichtet, die Bäume und ihre Knospen heben unseren Blick nach oben, eine tolle Perspektive!

    • Reply Doris Kern 3. April 2017 at 20:57

      Liebe Walpurga,
      wie schön, dass du die Kraft der Bäume schon so einbeziehst! Ich staune immer wieder wie kraftvoll so ein Wald ist – einfach nur schön!
      Mir geht es auch oft so, wenn ich auf Kräutersammeln aus bin, dass ich mehr am Boden schaue – aber dann nehme ich mir oft bewusst wieder Zeit und lasse den Blick schweifen – sehr schön und überraschend, was man da oft entdeckt 🙂
      Alles Liebe zu dir,
      Doris

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